Deutsche Rentenversicherung

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Laufende Projekte

Projekte, die von der Deutschen Rentenversicherung Bund außerhalb von Förder- und Forschungsschwerpunkten gefördert werden.

Laufzeit und Projekte

Okt 2017 bis Sep 2019 - Entwicklung von Praxisempfehlungen für die Soziale Arbeit in der medizinischen Rehabilitation

PD Dr. Heiner Vogel, Dr. Matthias Lukasczik, Abt. Medizinische Psychologie und Rehabilitationswissenschaften, Universität Würzburg

Hintergrund

Die klinische Sozialarbeit und Sozialtherapie soll Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit chronischen Erkrankungen insbesondere bei beruflichen Problemlagen oder notwendigen Lebensveränderungen motivieren, beraten, begleiten, anleiten und unterstützen. Zum Einsatz kommen je nach Problemlage unterschiedliche Methoden, wie z. B. die Vorträge, Einzelberatung, Gruppenangebote, Fallmanagement, die Einbeziehung von weiteren Ansprechpartnern. Obwohl die klinische Sozialarbeit und Sozialtherapie fester Bestandteil im Behandlungsspektrum der medizinischen Rehabilitation ist, sind Diagnostik, Indikation und Durchführung von Interventionen und Methoden der Sozialen Arbeit in Reha-Kliniken bislang nur wenig standardisiert.

Die politische Diskussion verstärkt den Fokus auf die berufliche Wiedereingliederung von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch geeignete Unterstützungsleistungen. Parallel dazu hat die Rentenversicherung ein Konzept zur Medizinisch-beruflichen Orientierung in der medizinischen Rehabilitation mit neuen Behandlungsangeboten (Gruppenkonzepte, Fallmanagement) entwickelt, in die auch die sozialen Dienste der Reha-Einrichtungen einbezogen sind.

Die Leistungen für eine gezielte und zeitnah an der medizinischen Rehabilitation angesiedelten Unterstützung der beruflichen Wiedereingliederung sind personell teilweise sehr aufwändig, bei gleichzeitig aus Kostengründen nicht erweiterbaren Ressourcen. Daher sind begründete Entscheidungshilfen für den Einzelfall erforderlich, die zu einer größeren Standardisierung beitragen können.

Ziele und Fragestellungen

Es soll aufgezeigt werden, mit welchen Bedarfen bzw. Problemsituationen die klinische Sozialarbeit in der Versorgungspraxis konfrontiert ist und welche geeigneten Interventionsstrategien oder Handlungsansätze aktuell in der Medizinischen Rehabilitation eingesetzt werden. Ziel ist es, Art, Abfolge und Umfang von Interventionen oder Handlungsansätzen in der Sozialen Arbeit in einem Konkretisierungsgrad zu beschreiben, der es erlaubt, praktisches Handeln in der Rehabilitationseinrichtung zu leiten. Hierzu müssen entsprechende Leistungen definiert und in Form von Behandlungspaketen verknüpft werden. Darüber hinaus sollen kurz- und längerfristige Erfolgskriterien festgelegt werden, damit eine Bewertung des Erfolgs der Interventionen möglich ist.

Ziel des geplanten Projekts ist es, auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Expertise und unter Einbeziehung der Erfahrungen der klinischen Praxis Handlungsempfehlungen für die Fachgruppe der Sozialarbeiter und Sozialpädagogen in den sozialen Diensten der medizinischen Reha-Einrichtungen zu entwickeln. Folgende Fragestellungen sollen u. a. bearbeitet werden:

  • Welche evidenzbasierten Konzepte, Interventionen und Leistungen der klinischen Sozialarbeit gibt es nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen?
  • Welche internen Behandlungskonzepte, Interventionen und Leistungen (z. B. Zielgruppen, Art, Umfang, Zuweisungskriterien, Weiterbetreuung nach der Reha usw.) der sozialen Dienste in den medizinischen Reha-Einrichtungen gibt es?
  • Wie soll die Praxis der klinischen Sozialarbeit in der medizinischen Rehabilitation optimaler Weise gestaltet werden?

Forschungsmethoden und Design

Im Folgenden sind die relevanten Aufgaben und Leistungen aufgeführt, die für die Erstellung der Praxisempfehlungen erforderlich sind.

  1. Recherche nationale und internationaler Literatur zu Leistungen der sozialen Dienste in der medizinischen Rehabilitation.
  2. Bestandsaufnahme der Verfahren und Vorgehensweisen, die in der klinischen Sozialarbeit der medizinischen Rehabilitation zur Förderung von beruflicher (Re)Integration eingesetzt werden.
  3. Entwicklung von ziel- und problemgruppenbezogenen Behandlungspfaden für die klinische Sozialarbeit in der medizinischen Rehabilitation, ggf. unter Berücksichtigung von Minimalkonzept und Ausbaustufen.
  4. Bewertung und Überprüfung der Akzeptanz und Praktikabilität der Praxisempfehlung für die klinische Sozialarbeit in der medizinischen Rehabilitation der Rentenversicherung.
  5. Erstellung eines Abschlussberichtes sowie einer Druckvorlage für die Veröffentlichung der Praxisempfehlungen als Broschüre.

Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten

Konkrete Praxisempfehlungen für die Soziale Arbeit in Reha-Einrichtungen, die Art, Abfolge und Umfang von Interventionen oder Handlungsansätzen in der Sozialen Arbeit beschreiben, bieten eine Orientierung bei der Auswahl geeigneter bedarfs- und problembezogenen Interventionsstrategien oder Handlungsansätze. Darüber wird anhand kurz- und längerfristiger Erfolgskriterien, eine Bewertung des Erfolgs der Interventionen ermöglicht.

Jul 2017 bis Dez 2019 - Verlaufseffekte in der medizinischen Rehabilitation - Meta-Analyse (VEMA)

Dr. Michael Schuler, Prof. Dr. Dr. Hermann Faller, Universität Würzburg

Hintergrund und Zielsetzung

Seit Beginn des Förderschwerpunktes „Rehabilitationswissenschaften“ 1998 wurde eine Vielzahl von Studien durchgeführt, in denen zu Beginn und am Ende einer stationären medizinischen Rehabilitation sowie zu (mindestens) einem Nacherhebungszeitpunkt Daten zur Bestimmung von Verlaufseffekten erhoben wurden. Bisher vorliegende Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen, in denen die Forschungsergebnisse studienübergreifend zusammengeführt werden, liegen jedoch über 10 Jahre zurück und fokussieren meist nur einzelne Diagnosegruppen. Ein Großteil der durchgeführten Studien konnte folglich noch nicht berücksichtigt werden, um die derzeitige Evidenzlage systematisch abzubilden.

Gegenstand des Projektes ist daher eine metaanalytische Zusammenfassung von rehabilitationswissenschaftlichen Studien zu Verlaufseffekten in relevanten gesundheitsbezogenen und sozialmedizinischen Parametern für die quantitativ wichtigsten Reha-Indikationen. Zudem sollen verschiedene indikationsspezifische Zielgrößen sowie der Einfluss von patientenseitigen und studienbezogenen Merkmalen auf die Prä-Post-Effekte analysiert werden.

Design und Methodik

Beim vorliegenden Projekt handelt es sich um ein systematisches Review und eine Meta-Analyse von rehabilitationswissenschaftlichen Studien mit einem Prä-Post-Design.

Es sollen nur Studien einbezogen werden, die ab 1998 durchgeführt wurden und die Daten zu Beginn sowie zu mindestens einem Messzeitpunkt nach einer stationären medizinischen Rehabilitation in den Indikationen Orthopädie, Kardiologie, Onkologie, Pneumologie, Stoffwechselerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen oder Psychosomatik erhoben haben. Dabei müssen die Daten in mindestens einem relevanten indikationsübergreifenden oder indikationsspezifischen Outcome valide erhoben worden sein.  

Kern der methodischen Vorgehensweise ist eine systematische Literatursuche zu Studien, die die definierten Einschlusskriterien erfüllen. Für die eingeschlossenen Studien werden bei den Autoren bzw. den entsprechenden Instituten anonymisierte Originaldaten angefragt. Wenn Primärdaten nicht in die Analysen aufgenommen werden können, werden veröffentlichte Ergebnisse als aggregierte Daten ausgewertet.

Nutzung und Verwendungsmöglichen der Forschungsergebnisse

Die Ergebnisse liefern erstmalig Erkenntnisse zur Schätzung von mittleren Verlaufseffekten, zu Verlaufstypen nach Indikation sowie zu relevanten Einflussfaktoren auf den Erfolg medizinischer Rehabilitation. Die Ergebnisse können zur Entwicklung neuer Interventionsansätze, zur weiterführenden gesundheitsökonomischen Analyse sowie zur Qualitätssicherung genutzt werden. Aus Sicht der rehabilitationswissenschaftlichen Forschung können die Ergebnisse u. a. auch bei der Planung von Interventionsstudien genutzt werden, da sie eine Abschätzung der Reha-Effekte ermöglichen und damit die Bestimmung der notwendigen Fallzahlen unterstützen. Darüber hinaus liefert die Studie einen Überblick über den bisherigen Stand rehabilitationswissenschaftlicher Forschung im Hinblick auf Prä-Post-Designs der letzten 18 Jahre. Dadurch können Forschungslücken identifiziert und künftige Studien fundierter geplant werden.

Feb 2019 bis Feb 2020 - Soziale (SINUS-)Milieus und psychische Erkrankungen: Perspektiven und Verlauf von PatientInnen in der psychosomatischen Rehabilitation

Prof. Markus Bassler, Institut für Sozialmedizin, Rehabilitationswissenschaften und Versorgungsforschung, Hochschule Nordhausen
Prof. Volker Köllner, Rehazentrum Seehof, Teltow

Hintergrund und Untersuchungsziel

Ziel der Studie, ist zu untersuchen, inwieweit die Zugehörigkeit zu bestimmten soziokulturellen Milieus („Lebenswelten“) das subjektive Krankheitsempfinden, den Verlauf und den Behandlungserfolg psychischer Erkrankungen in der psychosomatischen Rehabilitation der beiden Einrichtungen Rehazentrum Seehof und Rehazentrum Oberharz beeinflusst. Dies soll anhand der sozialen SINUS-Milieus ermittelt werden. Es werden folgende Fragestellungen genannt:

  • Welche sozialen SINUS-Milieus sind in den zwei Reha-Zentren vertreten? (inkl. Vergleich mit Gesamtbevölkerung)
  • Hat die SINUS-Milieu-Verortung einen Einfluss auf den symptombezogenen Therapie-Erfolg, das sozialmedizinische Outcome, das heißt auf die sozialmedizinische Prognose?
  • Unterscheiden sich die PatientInnen der verschiedenen sozialen SINUS-Milieus hinsichtlich ihres Zugangsweges zur psychosomatischen Rehabilitation im Sinne einer freiwilligen bzw. nicht freiwilligen Inanspruchnahme, ihrer Reha-Motivation, ihrer Verhaltens- und Erlebensweisen bei der Arbeit und ihrer Zufriedenheit nach Abschluss der Rehabilitation?


Ein weiteres Ziel ist, zu untersuchen, ob die aktuellen leitlinienorientierten Reha-Angebote tatsächlich für alle Patienten angemessen sind.

Forschungsdesign und methodische Vorgehensweise

Um unterschiedliche soziale Milieus besser abzubilden, beteiligen sich die oben genannten zwei Kliniken an der Erhebung. Voraussetzung für die Studienteilnahme ist das Vorliegen der Indikation zur psychosomatischen Behandlung. Eingeschlossen werden konsekutiv alle während des Erhebungszeitraumes aufgenommenen PatientInnen. Für beide Kliniken zusammen sollen insgesamt die Daten von je ca. 1.000 RehabilitandInnen erfasst werden mit T0 als Beginn der Reha und T1 als Ende der Reha.
Bei der klinikinternen Ein- und Ausgangsdiagnostik werden routinemäßig zu den Messzeitpunkten T0 und T1 verschiedene Messinstrumente eingesetzt. Für die Studie erfolgt zusätzlich der Einsatz des SINUS-Fragebogens.
Die anonymisierten Daten des SINUS-Fragebogens werden dem SINUS-Institut zur Analyse der SINUS-Milieus® geschickt. Dort werden die Milieu-Verortung vorgenommen und die Häufigkeiten mit den repräsentativen Daten der deutschen (Gesamt-)Bevölkerung abgeglichen. In der Klinik erfolgen ausgehend von den Milieu-Zuordnungen die weiteren statistischen Auswertungen.

Nutzen und Verwendungsmöglichkeit der Forschungsergebnisse

Anhand der statistischen Auswertungen lässt sich ermitteln, inwieweit etwaige Einflüsse des sozialen Milieus ausreichende Berücksichtigung im Reha-Angebot und in der Behandlung finden. Dieses soll der Weiterentwicklung der Rehabilitation dienen.

Okt 2017 bis Mär 2020 - Wege psychisch Kranker in die EM-Rente und Rückkehrperspektiven aus der EM-Rente in Arbeit: Ansatzpunkte zu frühzeitiger Intervention in biografischen und krankheitsbezogenen Verlaufskurven (WEMRE)

Prof. Dr. Ernst von Kardorff, Humboldt-Universität zu Berlin

Hintergrund

Psychische Krankheiten sind mit 43% (2015) die häufigste Diagnose für einen erstmaligen Zugang in eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Bei psychisch Kranken zeigt sich vermehrt eine schleichende Krankheitsentwicklung, die häufig mit sozialem Abstieg, negativen Ereignissen im sozialen Umfeld, biografischen Abwärtsspiralen und sozialer Diskriminierung einhergeht. Objektiv lassen sich diese Entwicklungen u. a. an langen Arbeitsunfähigkeitszeiten, häufigen kündigungsbedingten Stellenwechseln, langem Krankengeldbezug sowie längerfristiger Erwerbsunfähigkeit ablesen. Die Beantragung einer EM-Rente stellt häufig den Endpunkt einer solchen Entwicklung dar. Nur etwa die Hälfte der wegen einer psychischen Krankheit vorzeitig Berenteten hat im Vorfeld der Berentung eine medizinische Rehabilitation in Anspruch genommen. Bislang sind die Ursachen für die mangelnde oder zu späte Inanspruchnahme von professionellen Hilfen sowie die Zeitpunkte, zu denen noch Interventionen möglich gewesen wären, kaum erforscht.

Untersuchungsziel

Ziel der beantragten Studie ist es daher, mögliche Interventionspunkte und geeignete Hilfeangebote zu identifizieren. Dazu werden biographische Verlaufskurven und deren Determinanten wie Arbeitssituation, Krankheitsverlauf, kritische Lebensereignisse rekonstruiert, um Entscheidungsschritte und -muster zu bestimmen, die in die EM-Rente geführt haben bzw. auf das weitere Erleben und Verhalten während der EM-Rente einwirken.

Hinsichtlich der Phase bis zur Bewilligung der EM-Rente werden insbesondere folgende Fragen untersucht:

  • Wie gestalten sich die individuellen biographischen Verläufe bis zur EM-Rente?
  • Welche subjektiven Theorien entwickeln Versicherte hinsichtlich der Bedingungsfaktoren, Schlüsselmomente sowie Wendepunkte, die zur gegenwärtigen Situation geführt haben
  • Wann wurden erste Krankheitszeichen wahrgenommen und welche Bewältigungsstrategien wurden gewählt? An welchem Punkt wurden die psychischen Probleme für andere sichtbar mit welchen Folgen für die berufliche und familiäre Situation?
  • Wurden ärztliche und/oder psychotherapeutische Hilfen oder Rehabilitationsleistungen in Anspruch genommen? Welche Empfehlungen erhielten die Versicherten?
  • Wie und zu welchem Zeitpunkt kam es zur Beantragung einer EM-Rente? Erfolgte die Erstbewilligung ohne Hindernisse oder erst nach Widerspruch?

Hinsichtlich der Phase nach Bewilligung der EM-Rente werden insbesondere folgende Fragen untersucht:

  • Was ändert sich für die Betroffenen mit der Bewilligung der EM-Rente? Zeigen sich Unterschiede zwischen befristeter und unbefristeter EM-Rente?
  • Wie verändert sich die familiäre Situation?
  • Wie schätzen EM-Rentner und EM-Rentnerinnen ihre Entscheidung im Nachhinein ein (Entlastung, Fehlentscheidung)?
  • Welche Motive und Erwartungen gibt es für eine mögliche Rückkehr auf den Arbeitsmarkt?
  • Welche Unterstützungsbedarfe zur Verbesserung bzw. Wiederherstellung ihrer Beschäftigungsfähigkeit hätten die EM-RentnerInnen sich während des EM-Rentenbezugs gewünscht?

Forschungsdesign und methodische Vorgehensweise

Das Projekt ist eine qualitative Studie mit zwei Teilbereichen. Im ersten Teil werden Versicherte mit bewilligter EM-Rente wegen einer psychischen Erkrankung (Diagnosen F 30-39, F 40-48) der DRV Bund, der DRV Berlin-Brandenburg sowie der DRV Westfalen nach bestimmten Merkmalen wie Alter, Geschlecht, befristete vs. unbefristete Rente ausgewählt und vom Rentenversicherungsträger ca. 4 bis 6 Wochen nach der Bewilligung angeschrieben. Die Rekrutierungsphase wird etwa 3 Monate dauern. Wenn die EM-RentnerInnen sich an der Studie beteiligen möchten, melden sie sich beim Projektteam und vereinbaren einen Interviewtermin. Eine schriftliche Einwilligungserklärung des Studienteilnehmers wird vorgelegt. Bei der Auswahl der Studienteilnehmer wird auf möglichst große Unterschiedlichkeit geachtet. Wie aus der Literatur bekannt, wird nach ca. 50 Interviews eine so genannte theoretische Sättigung erreicht, d.h. weitere Interviews erbringen keine neuen Aspekte.

Die Interviews sind autobiographisch-narrativ angelegt und ermöglichen den Interviewten so die eigene Gestaltung und Relevanzsetzung. Das erste Interview erfolgt ca. sechs Monate nach Bewilligung (t1). Darin werden nicht nur die Verläufe (Lebensgeschichte, Krankheitsverlauf, Berufsbiographie) rekonstruiert, sondern auch die Bewertungen und Eigentheorien der Probanden erfasst, so dass deren Perspektive auf die Abläufe, Wendepunkte und Schlüsselsituationen dargestellt werden kann. Das zweite Interview ist ein kürzeres Telefoninterview nach ca. einem Jahr (t2) und dient vor allem der Aufrechterhaltung des Kontaktes. Das dritte Interview erfolgt ca. 16 Monate nach der Bewilligung (t3) als Leitfadeninterview mit den thematischen Schwerpunkten gesundheitliche Veränderungen, Inanspruchnahme von gesundheitsfördernden Maßnahmen, subjektive Einschätzung der Leistungsfähigkeit sowie Rückkehr- und Zukunftserwartung.

Die Analyse der qualitativen Daten erfolgt in drei Schritten: (1) Einlesen der Transkripte in MaxQDA und Codierung im Sinne der Grounded Theory. (2) Sequenzanalytische Aus-wertung der biographischen Entwicklung. (3) Ermittlung von theoretisch abstrahierten fallübergreifenden Aussagen.

Der zweite Teilbereich des Projekts umfasst Experteninterviews mit Betriebsärzten, leitenden Ärzten des Sozialmedizinischen Dienstes der Bundesagentur für Arbeit sowie der DRV, Vertreter der Bundespsychotherapeutenkammer, der Bundesärztekammer, des IAB und Arbeitsmedizinern (ca. 10-15 Interviews). Themen sind unter anderem die Ermittlung von Barrieren und Hindernissen für eine rechtzeitige Identifikation von Hilfebedarfe sowie konkrete Ansatzpunkte für präventive Strategien und realisierbare Handlungsalternativen.
Die Experteninterviews werden themenzentriert inhaltsanalytisch ausgewertet. Anschließend werden die Ergebnisse der autobiographisch-narrativen Interviews und die der Experteninterviews systematisch aufeinander bezogen.

Verwertung

Psychische Erkrankungen verursachen insbesondere aufgrund von EM-Renten hohe Kosten. Die mit dieser Studie angestrebten praxisbezogenen Hinweise für präventive Maßnahmen und Interventionen könnten zu einer Senkung dieser Kosten beitragen.

Der bisherige Forschungsstand zu den biographischen Verlaufskurven bei psychisch Erkrankten ist unzureichend. Die geplante Studie kann diese Lücke schließen. Ein großer praktischer Nutzen wird u. a. darin gesehen, dass es mithilfe des Ansatzes der biographischen Perspektive möglich sein wird, konkrete Hinweise auf potenziell gefährdete Menschen im erwerbsfähigen Alter zu erhalten, Förderbedarfe vor und nach der Antragstellung festzustellen sowie praktische Hinweise auf betriebliche Präventionsangebote zu geben.

Jun 2018 bis Mai 2020 - Entwicklung eines Instrumentenkatalogs und eines Handlungsleitfadens für Rehabilitationseinrichtungen und Rehabilitationsträger zur Umsetzung einer diversitätssensiblen Versorgung

Jun.-Prof. Dr. Patrick Brzoska, Universität Witten/Herdecke
Prof. Dr. Oliver Razum, Universität Bielefeld

Ziel und Fragestellungen

Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung eines Instrumentenkatalogs und Handlungsleitfadens, die Rehabilitationseinrichtungen und Rehabilitatiosträger bei der Umsetzung einer diversitätssensiblen Versorgung unterstützen können. Hierfür werden zunächst verfügbare Instrumente einer diversitätssensiblen Versorgung auf Basis eines systematischen Reviews und einer Befragung ambulanter und stationärer Versorgungseinrichtungen zusammengestellt und deren Übertragbarkeit auf die rehabilitative Versorgung bewertet (Teilziel 1). Auf Grundlage der Ergebnisse wird der Entwurf eines Instrumentenkatalogs und eines Handlungsleitfadens erstellt (Teilziel 2). Dieser Entwurf wird im Rahmen eines partizipativen Delphi-Prozesses gemeinsam mit einer Auswahl von Rehabilitationseinrichtungen und Verantwortlichen bei Rehabilitationsträgern konsentiert (Teilziel 3).

Forschungsdesign und methodische Vorgehensweise

Systematischer Literaturreview (A), postalische Befragung von rehabilitativen und nicht-rehabilitativen Versorgungseinrichtungen (B), partizipativer Delphi-Prozess (C) bestehend aus qualitativen Fokusgruppenbefragungen (C, Schritt 1), einem Diskussionszirkel mit Rehabilitationsträgern (C, Schritt 2) und einem Delphi-Survey in Rehabilitationseinrichtungen (C, Schritt 3)

Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten

In dem Projekt werden Instrumente einer diversitätssensiblen Versorgung systematisch erfasst und deren Umsetzbarkeit in der medizinischen Rehabilitation bewertet. Das Projekt schließt damit an vorhergehende Projekte zur migrationssensiblen Versorgung und deren Ergebnisse an und weitet den Blickwinkel auf die Unterschiedlichkeit aller Rehabilitanden aus.

Sowohl auf Seiten der Rehabilitanden, deren Bedürfnisse zum Teil nicht hinreichend berücksichtigt werden, als auch auf Seiten der Mitarbeiter, die sich für manche Situationen eine Unterstützung durch mehr Information bzw. Handlungsmöglichkeiten wünschen, besteht zum Teil, das zeigt sich in Untersuchungen, Unzufriedenheit. Dies kann das Outcome der Rehabilitation negativ beeinflussen. Ein Teil dieser Unzufriedenheit könnte, wie in anderen Wirtschafts- und Dienstleistungsbereichen auch, durch die Implementierung von Diversity-Instrumenten abgemildert werden. In den Handlungsleitfaden sollen die unterschiedlichen und einzeln einsetzbaren Instrumente und Strategien, die es Reha-Einrichtungen und ihren Mitarbeitern erleichtern können, adäquat mit den unterschiedlichen Patientengruppen und ihren verschiedenen Bedarfen umzugehen, eingebettet werden. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Förderung einer nutzerorientierteren rehabilitativen Versorgung. Auch könnten dadurch Zugangsbarrieren für einzelne Gruppen, wie sie beispielsweise für Migranten verstärkt bestehen, verringert werden.

Für die Entwicklung des Instrumentenkatalogs und des Handlungsleitfadens werden im Projekt im Sinne eines partizipativen Forschungsansatzes Rehabilitationseinrichtungen und -träger als relevante Stakeholder bei der Implementierung diversitätssensibler Instrumente frühzeitig und umfassend eingebunden.

Aug 2017 bis Jul 2020 - Rehabilitationsbedarf und -inanspruchnahme bei älteren Erwerbstätigen mit und ohne Migrationshintergrund in der BRD – eine Untersuchung mit der lidA-Kohortenstudie

Prof. Dr. med. Hans Martin Hasselhorn, Fachgebiet Arbeitswissenschaft, Bergische Universität Wuppertal
Prof. Dr. med. Oliver Razum, AG 3 Epidemiologie & International Public Health, Universität Bielefeld

Hintergrund

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Einwanderungsland. Die inzwischen 16,4 Millionen Personen umfassende „Bevölkerung mit Migrationshintergrund“ macht mit 20 % einen substanziellen Anteil an der Gesamtbevölkerung sowie mit knapp 7,4 Millionen Personen 18,4 % der Erwerbstätigen aus. Sie ist u. a. aufgrund unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Religion und Bildungsstatus eine heterogene Gruppe. Personen mit Migrationshintergrund (PmM) unterscheiden sich in ihrer Gesundheit von Personen ohne Migrationshintergrund (PoM). So weisen migrierte Personen (1. Generation) einerseits den so genannten healthy migrant effect auf, d.h. sie sind durchschnittlich gesünder als die Bevölkerung im Herkunftsland, andererseits treten bei Menschen mit Migrationshintergrund im Zielland im Vergleich zu PoM häufiger chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus und psychische Erkrankungen auf. PmM haben häufig einen niedrigeren sozioökonomischen Status und sind oftmals ungünstigeren Lebensbedingungen ausgesetzt. Vor allem Ältere unter ihnen haben zudem eine geringere Health Literacy. Das bedeutet, sie können Gesundheitsinformationen schlechter finden, verstehen und beurteilen und daher weniger gut eine informierte Entscheidung treffen. Arbeitsbedingungen von Menschen mit Migrationshintergrund sind oft physisch und psychisch belastend.

Ergebnisse aus Versorgungsstudien zeigten, dass gesundheitliche Versorgungsangebote von Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund unterschiedlicher Barrieren deutlich weniger in Anspruch genommen werden. Dies trifft u. a. auf die medizinischen Rehabilitationsleistungen zu. Es gibt vielfältige Barrieren beim Zugang zur medizinischen Rehabilitation. Barrieren finden sich in den Bereichen Sprache, Wissen, Religion/Kultur/Milieu sowie Diskriminierung. Auf der Individuums-Ebene werden als migrantenspezifische Zugangsbarrieren unzureichende Deutschkenntnisse, Ängste, Misstrauen und fehlende bzw. falsche Informationen zum Rehabilitationssystem genannt.

Untersuchungsziel

Die geringere Inanspruchnahme von Leistungen der Medizinischen Rehabilitation durch Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit ist hierzulande gut belegt. Allerdings machten sie nur 42 % aller erwerbstätigen PmM aus. In welchem Ausmaß weitere PmM-Untergruppen solche Leistungen in Anspruch nehmen, ist unzureichend untersucht.

Gegenstand des beantragten Projekts ist die differenzierte, quer- und längsschnittliche Untersuchung der Bedarfe von Rehabilitationsleistungen (objektiv: bspw. ärztliche Empfehlung einer Rehabilitation bzw. definiert durch Gesundheit- und Funktionsindikatoren), der von der befragten Person geäußerten Bedürfnisse (subjektiv: Wunsch nach Rehabilitationsmaßnahme) und der tatsächlichen Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen von älteren ArbeitnehmerInnen mit und ohne Migrationshintergrund (Selbstbericht so-wie zugespielte DRV-Prozessdaten) – sowie differenziert für deren Untergruppen.

Folgende Forschungshypothesen sollen im Rahmen des Projekts lidA-DRV untersucht werden:

H1: Die Inanspruchnahme medizinischer rehabilitativer Versorgung von älteren erwerbstätigen Menschen mit Migrationshintergrund unterscheidet sich nicht von äl-teren Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund.

H2: Die Inanspruchnahme medizinischer rehabilitativer Versorgung von älteren erwerbstätigen Menschen mit Migrationshintergrund unterscheidet sich nach Staatsangehörigkeit. Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit nehmen eine rehabilitative Versorgung weniger häufig in Anspruch als Migrantengruppen mit deutscher Staatsangehörigkeit (v. a. 2. Generation, Aussiedler).

H3: Das unterschiedliche Inanspruchnahmeverhalten von Personengruppen mit Migrationshintergrund (1. Generation vs. 2. Generation, Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsstatus) lässt sich über den Migrationsstatus hinaus primär auf Zugangshindernisse (wie Herkunftsland , Bildungsstatus, ausgeübter Beruf, Sprachkenntnisse und Kenntnis des deutschen Gesundheitssystems (Health Literacy)) zurückführen.

H4: Der Bedarf an Rehabilitationsleistungen steht in einem Zusammenhang mit häufigen monotonen repetitiven einseitigen Belastungen und schweren körperlichen Arbeitstätigkeiten (mit physischen und psychischen Langzeitfolgen), denen Untergruppen der PmM häufiger ausgesetzt sind. Daher findet sich in Untergruppen der PmM ein höherer Bedarf an Rehabilitationsleistungen als bei PoM.

H5: Trotz höheren Bedarfs in verschiedenen Untergruppen der PmM (insbesondere PmM mit ausländischer Staatsangehörigkeit) ist deren Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen geringer als bei PoM.

H6: Die Bedürfnisse einer rehabilitativen Leistung stehen im Zusammenhang mit persönlichen Hilfeleistungen (sozialer Unterstützung), dem Sozialstatus, einem Migrationshintergrund und der Health Literacy.

Forschungsdesign und methodische Vorgehensweise

Datengrundlage ist die seit 2009 laufende lidA-Studie (www.lida-studie.de), eine umfangreiche repräsentative prospektive Kohortenstudie mit Fokus auf „Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsteilhabe“. Die lidA-Studie erlaubt aufgrund ihres kohort-sequenziellen Designs, ihrer großen Teilnehmerzahl und hohen Repräsentativität mittelfristig die differenzierte Untersuchung von Langzeiteffekten der Arbeit auf Gesundheit und Erwerbsteilhabe in einer älter werdenden Erwerbsbevölkerung aus interdisziplinärer Perspektive. Hierzu werden sozialversichert Beschäftigte der deutschen Baby-Boomer-Kohorten, nämlich der Jahrgänge 1959 und 1965 (NWelle1(2011) = 6585, NWelle2(2014) = 4244), in 3-Jahres-Abständen zu Hause persönlich befragt (Computer Assisted Personal Interview, CAPI). In den ersten beiden lidA-Wellen (2011, 2014) wurden verschiedene Indikatoren zu Arbeit, Gesundheit und Erwerbsteilhabe sowie zu privaten und sozialen Rahmenbedingungen erhoben.

Die Untersuchung der oben formulierten Hypothesen basiert auf den bisher vorliegenden Befragungsdaten der Erhebungswellen I und II sowie einem spezifischen Fragemodul, welches der Erhebungswelle III (Ende 2017) beigefügt wird. Ein zweiter Bestandteil des Vorhabens ist die geplante Zuspielung von DRV-Prozessdaten, so dass retro- und prospektiv objektive Endpunkte der Inanspruchnahme von Reha-Maßnahmen (sowie weiterer Leistungen) der DRV den Befragungsdaten zugespielt werden können.
Geplante statistische Analyseverfahren sind je nach Fragestellung u.a. multiple Regressionsmodelle, Hierarchische Modelle, Proportional-Hazard Regressionen, Strukturgleichungsmodelle.

Verwertung

Insgesamt liefern die Ergebnisse der lidA-Studie Welle III neue Hinweise auf Rehabedarfe, -potenziale und -Ansatzpunkte in Bezug auf verschiedene Gruppen älterer Beschäftigter – insbesondere Gruppen mit unterschiedlichem Migrationsstatus. Sie können dazu beitragen, die Rehabilitation so weiterzuentwickeln, dass sie die Diversität ihrer Versicherten berücksichtigt und Barrieren abbaut.

Nov 2018 bis Mär 2021 - Nicht-organische Schlafstörungen: Indikatives Paket für stationäre psychosomatische Rehabilitation

Prof. Dr. Andrea Kübler, Dr. Clemens Speth, Dr. Jana Speth, Lehrstuhl für Psychologie I, Interventionspsychologie, Universität Würzburg

Zielstellung

Evaluation und Manualisierung einer kognitiv-behavioralen schlaftherapeutischen Intervention für die stationäre psychosomatische Rehabilitation.

Intervention/Evaluation

  • Interventionsgruppen: schlaftherapeutische Gruppentherapie, Schlafsprechstunde, Schlafreduktionsverfahren (jeweils zusätzlich zu der regulären Gruppentherapie und der regulären Einzeltherapie)
  • Kontrollgruppen: reguläre Gruppen- und Einzeltherapie, quantitativer Ausgleich durch reguläres Therapieangebot
  • Evaluation: Quantitative Analyse der Symptomveränderung
  • Quantitative Analyse: (psychometrische Tests, Fragebögen)
    Interventionsgruppen versus Kontrollgruppen, Vergleich der Interventionsgruppen der verschiedenen Standorte (multizentrisches Studiendesign)
  • Stichprobengröße: 330 RehabilitandInnen
    Einschlusskriterien: RehabilitandInnen mit Anpassungsstörungen oder depressiven Episoden (leichter bis mittlerer Schweregrad, erstmalig oder rezidivierend), bei denen zusätzlich Schlafstörungen bestehen
    Ausschlusskriterien: organische Schlafstörungen, bipolare Störungen, psychotische oder dissoziative Symptome, primär hirnorganische oder andere Störungen, die nach klinischem Eindruck einer Schlaftherapie entgegenstehen.
  • Kontrollgruppen: reguläre Gruppen- und Einzeltherapie, quantitativer Ausgleich durch reguläres Therapieangebot
  • Evaluation: Quantitative Analyse der Symptomveränderung
  • Quantitative Analyse: (psychometrische Tests, Fragebögen)
    Interventionsgruppen versus Kontrollgruppen, Vergleich der Interventionsgruppen der verschiedenen Standorte (multizentrisches Studiendesign)
  • Stichprobengröße: 330 RehabilitandInnen
    Einschlusskriterien: RehabilitandInnen mit Anpassungsstörungen oder depressiven Episoden (leichter bis mittlerer Schweregrad, erstmalig oder rezidivierend), bei denen zusätzlich Schlafstörungen bestehen
    Ausschlusskriterien: organische Schlafstörungen, bipolare Störungen, psychotische oder dissoziative Symptome, primär hirnorganische oder andere Störungen, die nach klinischem Eindruck einer Schlaftherapie entgegenstehen.

Nutzung und Verwendungsmöglichkeiten der Forschungsergebnisse

Nicht-organische Schlafstörungen schränken bekanntermaßen das Leistungsbild und die Teilhabe deutlich ein. Ziel ist eine evaluierte, manualisierte, schlaftherapeutische Intervention für die stationäre (psychosomatische) Rehabilitation.